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Zielgruppe SchülerSchulkleidung und Persönlichkeitsbildung | ||
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1. Konsumorientierung und Markenbewußtsein |
Jul. 2005 | |
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Die Bevölkerungsstrukturen der europäischen Industriegesellschaften leiden seit Mitte der
1970er Jahre an verschieden Symptomen: Überalterung, sinkende Geburtenraten, Arbeitslosigkeit,
reale Einkommensverluste für die Mehrheit der Durchschnittshaushalte,
Abstumpfung gegenüber Informationen in Folge erhöhten Medienkonsums, Zukunftsängste aufgrund
der Debatten um Globalisierung und Terrorismus. Diese politisch zu beurteilenden Verhältnisse hatten eine kontinuierliche Verlangsamung des Konsumverhaltens zur Folge. Ein Hebel zur Erhaltung der Marktpräsenz für Handel und Industrie bietet die Fokussierung auf die Altersgruppe der 10 bis 16 Jährigen, die zum einen selbst bereits als Verbraucher zur Verfügung stehen und zum anderen zukünftige Vollkonsumenten darstellen. Die Umwerbung und Konditionierung dieser Zielgruppe ist branchenumkämpft. Der Einfluß auf diese Altersgruppe durch Werbemittel gestaltet sich allerdings schwieriger, da der Zugang der Kinder und Jugendlichen zu Geldmitteln, Printmedien, Fernsehen und Internet durch das Elternhaus mehr oder weniger reglementiert ist. Mit Hilfe des Privatfernsehens, Videospielen, Emailkonten und Handys wurde der Einfluß der werbewirksamen Maßnahmen auf diese Zielgruppe allerdings verstärkt. Ein weiteres Werbefeld bietet die Schule, da dort ungehindert Werbemaßnahmen importiert und innerhalb der Konkurrenz Heranwachsender transportiert werden. Plakatwände vor Schulen waren seit jeher beliebte Werbeflächen für Handel und Industrie. Ein langfristiges Ziel der Werbeindustrie ist es daher, Konsumorientierung und Markenbewußtsein in die Schulen als Orte der Sozialisation junger Menschen zu tragen. | ||
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2. Schutz vor Reklame ist Jugendschutz | ||
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Moderne Werbung und die Erhaltung eines Markenimages haben nur noch wenig mit der ursprünglichen
Reklame als Produktinformation zu tun. Urlaubsfahrten, Spielzeug, Freizeitgestaltung und Zugang zu
Allgemeinbildung waren dabei immer schon Teil der sozialen Unterschiede innerhalb der
Klassengemeinschaften. Viele Eltern erleben dazu, wie der Wunsch ihrer Kinder nach
"trendiger Kleidung im Alltag" eine immer wichtigere Rolle spielt. Teure Markenkleidung entscheidet oft über die Zugehörigkeit
zu einem Freundeskreis, über die Akzeptanz in der Schulklasse und offenbar sogar über das Selbstwertgefühl
von Kindern und Jugendlichen. Die Folge ist, dass diejenigen, die hierbei nicht mithalten können,
verspottet ("Aldi-Kind") und ausgegrenzt werden.
Schülerin, Klasse 9: ... "denn an der normalen Kleidung sieht man oft, was für ein Typ der betreffende
Mensch ist, z.B. ob er sportlich ist oder seine Eltern sich viel leisten können."
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3. Positive Effekte von Schulkleidung überwiegen | ||
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Das Tragen von Schulkleidung hilft dabei, dass Schüler ihr
Selbstwertgefühl vor allem über Aspekte der Persönlichkeit,
schulische Leistungen und Sozialkompetenz erwerben, nicht jedoch über die Identifikation
mit Markenkleidung oder modischer Aufmachung. Sowohl ein "Sich-Definieren" durch
Markenkleidung ist nicht mehr möglich, als auch der "Uniformierungszwang" durch
Markenkleidung enfällt. Jedem Schüler wird deutlich, dass er sich nicht durch
Markenkleidung aufwerten muss.
Die sozialen Unterschiede werden zumindest während der Schulzeit unwichtiger. Es gibt weniger Modemißgunst wegen Äußerlichkeiten. Dabei sollte Schulkleidung auch günstiger als Markenkleidung sein. Das verfügbare Einkommen der Eltern oder das Taschengeld spielen dann eine geringere Rolle. Schulkleidung erinnert die Schüler an ihren Status. Sie sind Teilnehmer an einem Bildungssystem und ihnen wird in der Wissensgesellschaft die Möglichkeit geboten, ihren eigenen Horizont zu erweitern. Das "Schülersein" erlangt durch Schulkleidung, analog einer Arbeitskleidung, eine eigenständige Wertschätzung. Ein vernünftiges Maß an Stolz auf die Schulklasse oder Schule und damit auch auf sich selbst kann entstehen. Gemeinsame Schulkleidung verbessert die Akzeptanz der Schule unter den Schüler als Ort des Lernens und der Gemeinschaft. Die Zusammengehörigkeit innerhalb der Schulgemeinschaft wird durch Schulkleidung sichtbar. Wie in Sportvereinen und anderen Interessengruppen wird auch in Schulklassen der Zusammenhalt befördert. Teamgeist und Gruppenidentifikation innerhalb des "Lernortes Schule" werden gestärkt. Bei Schülern entsteht erfahrungsgemäß häufig auch ein größeres Verantwortungsbewußtsein für ein besseres Verhalten außerhalb der Schule. Die Kleiderkonkurrenz wird in die außerschulische Sphäre verdrängt. Damit erhalten Schüler für die Schule einen Freiraum zurück. Studien berichten, dass Schüler dem Unterricht aufmerksamer folgen können und sie legen in der Tendenz mehr Wert auf ein tieferes Verständnis für Unterrichtsinhalte als Vergleichsschüler. Die Integration neuer Schüler in die Klassen wird erleichtert. Auch Schüler verschiedener Nationalität erhalten durch Schulkleidung verbesserte Chancen, in die Schulgemeinschaft aufgenommen zu werden. Weiterhin ist zu erwähnen, dass der zum Teil recht aggressiv geführte Konkurrenzkampf um besondere Kleidung verschiedener Cliquen und der damit verbundene Gruppendruck unterbunden werden kann. Auf dem Schulgelände kann ein Schutz vor dem Einfluß von Subkulturen erfolgen. Die Absonderung durch "Kleidungsmoden" innerhalb der Schule ist durch Schulkleidung deutlicher unerwünscht. Zum Thema Sicherheit: Schülerin, Klasse 9: ... "Man braucht keine Angst haben beklaut zu werden." Gegen die Schulkleidung wird häufig angeführt: Andere Statussymbole (Handys, Spielecomputer, Schmuck etc.) verbleiben im Schulalltag und werden aufgewertet. Dies ist möglich, jedoch wird Schulkleidung nicht sämtliche Statussymbole aus der Schulwelt schaffen. Der Mißbrauch von z.B. Handys mit der Verbreitung von Gewaltvideos verlangt andere Regeln innerhalb der Schule. Jugendlichen wird in einem gewissen Maße ein Mittel zum Selbstausdruck genommen. Schüler in Einheitskleidung haben in der Schule weniger die Möglichkeit, selbst herauszufinden, dass Markenkleidung nichts über den Charakter eines Menschen aussage. Auch dies ist möglich, doch erspart Schulkleidung den Kindern gerade in diesem Zusammenhang vor allem eine Menge psychosozialen Druck. Für viele, die in diktatorischen Systemen aufgewachsen sind, ist Schulkleidung ein Auswuchs für das Prinzip der "Gleichschaltung" der Bevölkerung. Die Erfahrungen in der Nazi-Zeit mit den verwendeten Braunhemden der Hitlerjugend oder den Kinderuniformen in der DDR haben den Mißbrauch durch Uniformierungen in den Vordergrund gerückt. Die positiven Effekte durch Schulkleidung sind in ihrer extremen Verpflichtung natürlich immer auch mißbräuchlich anwendbar. | ||
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4. Schulkleidung gegen Werbeindustrie | ||
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Die Stellung des Kindes ist heute eine andere, als noch in den 1970er Jahren.
Durch die eingeschränkte Zeit, die Eltern mit ihren Kindern verbringen, sind diese
sich selbst und anderen Einflüssen überlassen. Ihnen werden oft zu früh Entscheidungen
selbst überlassen, mitunter aus der Situation auch abverlangt.
Kinder sind damit häufig einerseits überfordert, andererseits können sie daraus ableiten,
dass sie in allem das Recht haben, selbst zu entscheiden. Normen wie Disziplin und
Lernbereitschaft werden dadurch ad absurdum geführt.
Schüler tragen selbstverständlich die Themen und Normen, denen sie von Haus aus begegnen, in die Schule hinein. Mit dem steigenden Medienkonsum der Kinder und Jugendlichen sehen sich die Schulen einer Themenwahl des Medienalltags und deren Werbebotschaften ausgesetzt, welche die schulischen Inhalte als Pflichtwissen bei Schülern in den Hintergrund drängt. Die Konzentration auf Lerninhalte ist für Schüler und Lehrer gleichermaßen entsprechend schwieriger.
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| Literaturangaben: Karin Brose Schulkleidung ist nicht Schuluniform www.schulkleidung.com Dickhäuser, Lutz, Wenzel, Schöne Kleider machen Schule ? · Korrelate des Tragens einheitlicher Schulkleidung. Wissenschaftliche Studie der Universität Gießen (Psychologie in Erziehung und Unterricht) | ||
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